und plötzlich gehen Türen auf

Ich habe euch ja schon erzählt, dass ich mein Arbeitspensum erweitern kann und mit der Firma, für die ich als Freelancerin arbeite, immer Aufgaben erhalte. Es macht Spass und ich fühle mich gut aufgehoben.

Sogar letzte Woche als ich wegen „Campylobacter“ Bakterien flach lag war das Verständnis riesig. (Seit 10 Tagen Wasser-Durchfall, kein Hunger, kein Durst, schwach, erschöpft. Ohne Antibiotika, sonst wird man Träger. Es ist noch nicht gut, aber besser.) Mit meiner Vorgeschichte, mit Erschöpfung, Depression und kurzem Darm ist da Vorsichtig geboten. Ich habe dann wenigstens am Samstag etwas nachgeholt. Ich habe mich tausend mal entschuldigt und mir wurde gesagt, krank kann jeder werden und sie waren sich dem Risiko bewusst, dass ich schlechte Tage UND auch Urlaub sei ok. Ich winkte ab und sagte Urlaub? Ich?

Und dann am Samstag wurde ich gefragt ob ich mit möchte in den Urlaub nach Rom. Ich muss nur den Zug bezahlen. Ferien? Rom? Mind. 1 Tag Meer? Praktisch gratis? Haken? Panik!

Nun bin ich so weit, dass ich es hier schreiben kann. Ja, mir machen Ferien mit anderen Angst. Einladen? Abhängig machen? Mit Hund reisen? Es war nie eine Frage, dass Stella mich begleitet. Aber ich war noch nie mit dem Hund weg.

Alles nicht so schlimm. Tollwut hat sie, Das Haus hat einen Garten, am Meer muss man Haufen aufnehemen, genau mache ich ja nie!, in der Tasche sind Hunde willkommen.

Wie kann ich da nein sagen? Rom. Ich liebe Rom.

Ich werde also vom 29. August für bis zu zwei Wochen weg sein. Was klar ist. Meine Begleiter wollen Windsurfen. Ich schreibe Karten, betreue die Hunde, geniesse das Meer und erhole mich. Und Ich bekomme eine Führung zu den wichtigsten Plätzen in Rom. Ich war damals mit der Abschlussklasse da. Das ist nun 16 Jahre her. Aber ich kann auch einfach im Haus bleiben, arbeiten (lacht nicht) und erholen.

Ich habe sogar jemand der sich um Leo, meine Bartagame kümmert, die ich vor Freude beinahe vergessen hätte, ist es wichtig, dass die Person keine Angst hat. Ok, es ist komisch jemandem das Aufzutragen, der sonst nie bei mir in der Wohnung ist, aber es ist ein Tier und tot soll er nicht sein nur damit ich es gut habe.

Noch vor einem Jahr war ich völlig in meiner Welt und heute werde ich gefragt ob ich arbeiten und in den Urlaub kommen möchte.

Ich hoffe es ist niemand böse. Ach wisst ihr was, seid es. Ich war das letzte Mal weg, da war ich in Malta. 3 Tage. Ich habe geschlafen, am Strand gesessen und gesoffen. Es war der Herbst nach der Trennung und der Diagnose Borderline.Ich hätte mich auch mit IV nie getraut weg zu fahren, aber ich erlaube mir das jetzt und erhole mich auch von meiner Erkrankung! Arbeiten kann ich dank Internet auch da.

Ich sehe es einfach als Erfolg, dass nach so vielen Jahren kämpfen, endlich das Leben, das Glück und die Freude zurück zu mir gekommen ist. UND ich nehme es.

Kelly Family

Ja, vielen kräuseln sich nun die Zehennägel. Lange Haare und Hippie-Kleidung. Aber ich bewunderte immer wie gepflegt die Haare waren. Das muss man erst schaffen. Wenn man aber über das hinweg sieht, dann haben die meisten Lieder Substanz!

Für mich war und ist die Kelly Family DIE Ersatzfamilie.
Es gab Zeiten da hörte ich die Lieder zusammen mit meinen Geschwistern und meiner Mami. Beim Autofahren oder auch sonst. Wir spielten ganze Konzerte nach. Jeder hatte seine Person. Ja, ich war Paddy.

Ich höre die Lieder noch heute. Manche haben mich über Jahre begleitet.
„Mama“ von Paddy war für mich eher „Papa“, aber nicht minder ernst und mit Sehnsucht verbunden. Ich habe ja damals in Basel Nähe der Toilette gewohnt, in der mein Vater starb, ich sass da auf dem dreckigen Boden und wünschte mir… Keine Ahnung was. Klar, keine Background-Musik und kein romantisches Retten von jemandem. Es stank nach Urin. Niemand konnte mich retten, denn es wusste keiner, dass ich da sass und wartete.

Ich habe meine Helden auch immer etwas verfolgt. Maite, ja Maite. Sie war heimlich meine Heldin. Hat letztens ein deutsches Album aufgenommen, sogar ein Duet mir Roalnd Kaiser „warum hast du nicht nein gesagt“.

Angelo, hat auch ein Solo Album und sein Song „Finally one“ hat mich auch sehr berührt.

Paddy, mein Schwarm, war bei den Mönchen und ja ich habe gedacht, welche Verschwendung. Aber er hat sich und sein Leben gefunden. Heute weiss ich was das für ein Glück ist. Trotzdem singt auch er noch. Er hat etwas gefunden, etwas das mich neugierig macht. Und hey, Gott. Ja, schwierig. Trotzdem, mit ihm würde ich mich gerne über Gott und die Welt austauschen.

Joey, der Rocker, hatte schon damals gute Songs. Ihn verfolge ich im Sport sehr. Unglaublich was der Mann leistet. Mit „Staying Alive“ und „Maxium“ haben mir immer Kraft gegeben wenn ich dachte ich habe keine mehr.

Was soll ich sagen „Hooks“ „Please don’t go“ (wie oft wünschte ich mir, dass mein grosser Bruder sagt, dass alles gut wird) „Oh it hurts“ „I cant help myself“ „Im so happy“ Dont be so unhappy“ „I feel love“ „Because its love“ „Everybody is beautiful“ „Shes crazy“ „Once in a while“ „Crisis“ „Dance to the rock’n’roll“ “ Imagine“ „First time“ oder „No Lies“ sind nur wenige Lieder die ich nie wieder missen möchte. Und es ist nur eine kleine Sammlung.

Ja, ich wünschte mir immer eine Familie, die zusammenhält. Egal was komme. Und wenn ich eine Familie brauche: sie bauen mich immer wieder auf!

Und ja, damals ich sammelte vom kleinsten Schnippsel in der Bravo bis Auftritte bei Gottschalk alles. ALLES.

Ode an den Bacardi

Hallo, ich schon wieder.

Der Titel musste sein, aber ist etwas verfälscht. Ja, ich liebe, liebe, liebe Rum Cola. Nein nicht nur Rum, Bacardi Cola. Weisser Bacardi. Der Dunkle ist mir zu rauchig.

Meinen ersten Bacardi Cola trank ich mit etwa 12 in einem Tunesienurlaub. Durfte niemand wissen und ich glaube, ich habe das schon mal erzählt. Naja, ich habe mich damals verliebt und ich konnte es nie überwinden.

Ich kann aber inzwischen einige Wochen und Monate ohne sein. Trotzdem vergessen werde ich ihn nie und mir ab und zu gönnen. Sogar, wenn ich dann übertreibe. Ich muss mir kein schlechtes Gewissen einreden, wenn ich mal trinke. Nicht mal wenn es zu viel ist. Das machen viele, ist menschlich.

Den heutigen Bacardi musste ich mir sogar verdienen. Er war nämlich überall ausverkauft. Ich musste am Hauptbahnhof in den „Wolrd of Drinks“ gehen. Ich habe nicht nur den Brand Bacardi sondern auch den Namen des Ladens bezahlt. Aber ich will den geniessen, auch zu viel geniessen. Der Geschmack ist unvergesslich, unvergleichbar. Billiger Rum ist im Notfall ok, aber nie gut. Rum aus dem Aldi (der im gleichen Haus ist und mein „externes Warenlager“) ist einfach bäk.

Nein, heute musste es Bacardi sein.

Es fällt mir etwas schwer, dies nun heute so öffentlich zu schreiben. Denn, sicherlich ist es auch eine Flucht, oder mehr eine Hilfe. Falls ich morgen einen Kater habe, zwingt es mich zu schlafen und kürzer zu treten. Ich muss. Meine Erschöpfung ist enorm. Und ich hasse sie! Ehrlich. Die Zeit jetzt ohne war und ist so fantastisch. Aber eben, nur begrenzt.
Und es ist besonders schwer, wenn der Job, den ich machen darf so toll ist. Ich kann kaum aufhören. Ich möchte eigentlich jeden Tag etwas machen. Ich möchte vorwärts kommen, Geld verdienen. Schulden abzahlen, Zahnarzt oder oh *träum* Ferien. Für das braucht man Geld. Hey, ich beklage mich nicht, aber für extra Dinge braucht man extra Geld. Und dieses kann ich verdienen. Diese Kombo ist Entschuldigung nur GEIL! Aber gefährlich.

Ich war heute mit meiner Freundin, der frisch verlassenen, etwas trinken und als dann noch andere dazu kamen wurde ich gefragt, ob ich den Job nun mache. Ich sagte dass ich zwischen 2 und 4 Stunden arbeite (ich könnte viel mehr Arbeit erledigen, was soooo toll ist). Da wurde ich sofort blöd angekuckt. Wie?! Das ist ja nichts. Stimmt. Für die meisten ist es so. Aber von höchsten 1 Termin ,in der Praxis 5 Minuten von meiner Wohnung weg pro 2 Wochen, zu dem was ich heute leiste. Ein riesen Sprung. Ich habe dann gesagt, mit meiner Krankheit muss ich es langsam angehen. Fand er immer noch zum Augenrollen. Aber, soll er. Ich muss mich nicht rechtfertigen.

Und ja, ich möchte wie ein Rennpferd los rennen. Ich darf aber, um meiner Gesundheit, höchstens ein Brauereipferd sein. Blöder Vergleich, die leisten auch viel. Lach.

Naja. Ich geniesse heute meinen Bacardi Cola und morgen meine Auszeit. Und wisst ihr was, das ist genau gut so. Jeder Schluck ist wie ein tiefer langer und sehr intimer Kuss. Ein Hach-Moment. Und nein, es klingt nicht doof! Oder doch?
Aber wie beschreibt ihr den Moment eines Glases guten Rotweins, einer Zigarre in guter Begleitung oder eines Glases teuren Brandys oder Whiskeys?

Genau: Liebe, Genuss, Entspannung und Zufriedenheit.

Wiedersehen mit einer alten Bekannten

Ich schliesse meine Wohnung auf und öffne die Tür – Stimmen. Panik. Vorsichtig schleiche ich mich rein und sage dann selbstbewusst „Hallo?!“. Erst da wird mir bewusst, dass ich vergessen habe den Fernseher auszuschalten, als ich vor einer Stunde das Haus verlassen habe.

Willkommen, in meinem Leben. Heute wäre auch so bisschen ein Tag an dem ich zuhause bleiben sollte. Erst musste ich die Wohnung putzen, der Hund hat Durchfall und eine kleine Schweinerei veranstaltet. Dann anziehen und mit dem Hund raus. Wieder zuhause etwas einkaufen und dann meine Tasche packen. Erneut putzen. Los gehen um zu arbeiten und den Hausflur putzen. Leicht genervt treffe ich bei der Arbeit ein. Aber ich weiss, ich kann Stella nicht wirklich böse sein. Sie kann nichts dafür.
Danach 2 Stunden arbeiten. Wieder viel gelernt und es macht immer noch Spass.

Kurz nach Hause und dann wieder los. Denn ich habe einen Arzttermin vergessen. Nein, nicht mal eingeschrieben. Aber da die Spritzen wichtig sind, habe ich dies dann trotzdem noch erledigt.
Im Zug dann dieser junge Mann, der bei der Einfahrt des Zuges 10! Mal auf den Türöffner drückt. Wie wenn die Türe während der Fahrt schon aufgehen würde oder schneller öffnet. Auch wenn man rennen muss, geht es dadurch nicht schneller. Oder die Familie die in 10 Minuten Fahrt 10! Mal den Abfalleimer aufreisst und zuknallt. Ich war kurz davor rüber zu brüllen. Ja, ich bin heute sehr lärmempfindlich. Ich bin seit Sonntag sehr erschöpft.

Das Jobangebot und die damit verbundenen Verdienste und Lernmöglichkeiten haben mich unglaublich beflügelt. Ich habe völlig vergessen, dass ich aus einer Erschöpfungsdepression komme. Ich war viele Stunden spazieren, habe viele neue und auch anstrengende Wege ausprobiert. Mich mehr gefordert. Ich habe viele Freunde getroffen, soziale Kontakte mit Freunden und Fremden gepflegt. Fremde haben dabei nicht gemerkt, dass ich unter sozialer Angst leide, Schwierigkeiten mit der Konzentration oder Blickkontakt habe. Das ist toll, aber hat mich viel Kraft gekostet und die Quittung habe ich nun. Ich bin müde, ich habe manchmal plötzlich einen Tinnitus und kann den Fokus weder im Hirn noch im Blick halten. Ich schlafe mit Handy in der Hand ein und ja, es ist mir in den letzten Tagen öfters ins Gesicht gefallen. Autsch.

Ich habe gestern einer Freundin gesagt, dass ich wohl noch nie so erschöpft war. Wir mussten beide lachen, denn es war wohl erst März, als die Erschöpfung massiv nachgelassen hat.
Mit der neuen Arbeit, bei der ich locker auch mehr als 4 Stunden in der Woche arbeiten könnte, muss ich mich daran gewöhnen, dass ich auch damit genug Ruhezeiten einplane. Mich nicht übernehme egal ob ich einen Boost dadurch habe oder es kaum merke. Denn ich will auf keinen Fall zurück oder wieder Grippe-Symptome bekommen nur weil mein Körper nicht genug Erholung bekommt.

Und was gibt es sonst?

Stella ist wieder fit nach ihrer Operation. Die Narbe ist kaum zu sehen, da sie genau da ist wo der Nabel ist. Das finde ich schön. Das Fell scheint sich aber leicht zu verändern. Welpenfell. Das ist die beste Nebenwirkung die auftreten könnte und die ich schon beinahe gewünscht habe.
Nach dem gestrigen Gespräch bei der IV haben wir uns geeinigt, dass wir in Kontakt bleiben und uns jeweils alle 8 Wochen treffen. So habe ich weiter einen Kontakt, kann besprechen falls es Schwierigkeiten gibt oder ich einen Jobcoach benötigen würde. Mir wurde auch nochmals bestätigt, dass ich mir aktuell keine Sorgen machen muss wegen Rentenkürzung, da ich vorher so viel verdient habe und der Anreiz da sein soll. Falls ich bis Ende Jahr oder nächstes Jahr die Grenze erreiche, dann wird die Rente angepasst, aber danach gibt es eine 3-Jahres Schonfrist. Wenn es einen Rückfall in dieser Zeit gibt wird ohne Prüfung die Rente sofort wieder zum vorherigen Status geändert. Es soll so verhindert werden Menschen finanziell zu schaden und trotzdem den Anreiz zu bieten den Arbeitsversuch zu starten.
Ich habe heute die vierte Woche am Stück gearbeitet. Wobei wie schon erwähnt, heute nur 2 Stunden. So habe ich aber trotzdem etwas gemacht und gleichzeitig auf meine Erschöpfung reagiert. Für mich ein guter Kompromiss, denn ich kann die Stunden ohne Problem an einem anderen Tag nach holen.
Gleichzeitig kümmere ich mich um eine Freundin, die aus heiterem Himmel verlassen wurde und helfe auch anderen so gut ich kann. Wobei ich durchaus auch mal nein sage.
Meine Albträume haben mit dem neuen Kissen und dem Blogpost zum 1. August aufgehört. Ich bin sicher die Böller waren nicht der Hauptgrund, aber ich habe trotzdem etwas von der Seele geschrieben.
Ach ja und der Zeckenbiss verlief ohne Folgen. Trotzdem war ich froh, dass ich in der Apotheke kontrollieren liess ob der Kopf draussen ist und auf was ich achten muss.

Wisst ihr, ja ich habe mich übernommen und mein Kritiker ist etwas böse, dass ich es nicht früher gemerkt habe, aber es ist schön dass ich das wieder vermehrt kann. Jede Woche am Mittwoch auswärts zu arbeiten und trotzdem nicht völlig aus dem Konzept zu kommen. Es ist schön. Mein Weg ist noch lange und es gibt sicherlich noch viel Steigerung. Aber es ist jetzt einfach gut.

Und nun gönne ich mir ein Nickerchen. Später gibt es dann etwas vom Grill und ein rohes Pouletflügelchen für Stella.

1. August

1. August, der Tag an dem die Schweiz Geburtstag feiert. Dieser Tag ist mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Als ich Kind war, fuhren wir zu der Familie in die Berge. Dort assen wir im Garten, sahen beim Eindunkeln die Höhenfeuer und später das Feuerwerk, das mitten auf dem See gezündet wurde.
Wir hatten immer auch eigene kleine Sachen, aber Knallerei mochte ich noch nie. Für mich ist es purer Lärm. Wer aber schon mal erlebt hat wie dieses Feuerwerk fehlzündet weiss, dass der Spass schnell vorbei sein kann. Meinem kleinen Bruder spickte mal eine Rakete ans Bein und Vulkane die kippen können sehr eindrücklich ihre Feuerkraft aufzeigen. Vulkane fand ich bis zu diesem Tag sehr schön.

In meinen kindlich romantischen Vorstellung wäre der 1. August auch heute immer noch ein Grillfest mit Höhenfeuer, Flagge und Lampion. Jah, vergesst nicht die Lampions. Wir hatten immer jene mit Kerzen und die flackerten dann auch schön im Wind. Echte Kerzen in Lampions und am Weihnachtsbaum sind für mich praktisch ein Muss.
Seit Jahren wünsche ich mir wieder mal an ein solches Fest zu dürfen. Dieses Jahr hätte ich eine Einladung, aber ich weiss nicht ob ich sie annehmen kann/soll.

Die Böller sind mir schon immer ein Dorn im Auge. Ich bin schreckhaft und zucke praktisch bei jedem dieser billigen Feuerwerke zusammen. Am schlimmsten ist es nachts.
Ich brauche genug Schlaf und aufgrund meiner psychischen Erkrankung halte ich mich ziemlich gut an die Schlafhygiene. Das bedeutet, dass ich bis auf wenige Ausnahmen zwischen 21:50 und 22:10 mit dem Hund mit dem Hund raus gehe, dann meine Medikamente nehme und ins Bett gehe. Danach brauche ich zwischen 20-60 Minuten bis ich einschlafe. In dieser Zeit bin ich oft im Halbschlaf. Da habe ich schon ganze Blogbeiträge kreiirt und philosophische Debatten geführt. Ich bin in dieser Zeit sehr verwundbar und schreckhaft. Noch mehr als sonst. Ich bin schon hochgeschreckt weil ich im Halbschlaf etwas gehört habe und laut antwortete. Ihr könnt euch also vorstellen wie ich hochfahre, wenn diese Knallerei genau dann los geht.

Aber den Höhepunkt fand dieser Zustand vor einiger Zeit als irgend so ein Verein ein Jubiläum hatte und ein grosses Feuerwerk abfeuerte. Direkt vor meinem Haus, nur durch den Fluss getrennt.
Ich schlief bereits und da es Sommer ist, waren alle Fenster aufgerissen. Plötzlich begann es zu knallen und ich fuhr hoch und hatte Panik. War es eine Explosion? Eine Bombe? Krieg? Ein Terroranschlag oder wieder ein Blitz, der in den Kirchenturm einschlug? Es hörte nicht auf und ich brauchte beinahe 10 Minuten um zu realisieren, dass es „nur“ ein Feuerwerk war, das über dem Haus explodierte. Ich brauchte weitere 5 Minuten bis ich die Idee hatte alle Fenster zu schliessen. Erst dann bemerkte ich, dass mein Hund zitternd und hyperventilierend in der Wohnung rum rannte und sich schliesslich unter der Toilette versteckte.
Ich sammelte den Hund ein und verkroch mich mit ihm unter der Decke. Ich selber musste lange weinen. Der Stress den ich in diesen Momenten hatte war zu viel. Als die Anspannung abfiel war ich einfach nur überfordert. Es machte mich aber auch unglaublich wütend und traurig, dass mein Hund nun Angst erleben musste. Ich war trotz sozialer Angst immer die souveräne und zeigte meinem Hund, dass sei bei mir sicher ist. Die Anwohner wurden nicht informiert über dieses Feuerwerk. Nicht nur mein Hund hatte eine schlechte Erfahrung, ich hatte die auch. Und ich bin sicher die Füchse, Otter, Schwäne, Enten und Reiher im nahen Umkreis fanden es auch nicht besonders toll.

Seit jener Nacht hat mein Hund Angst. Bei Knaller und Gewitter. In solchen Nächten machen ihr sogar die Geräusche der Züge und Flugzeuge Angst. Sie kommt zu mir, sucht den Körperkontakt und verkriecht sich unter die Decke. Trotzdem es macht mich jedes Mal wütend. Ich bin unglaublich wütend.

Seit Donnerstag knallt es nun wieder. Und ich bin einige Male im Halbschlaf hochgeschreckt. Letzte Nacht hatte ich Albträume, dass ich im Krieg sei. Ich bin richtig angeschlagen heute und habe Mühe in die Realität zu kommen.
Ich bin traurig. Da könnte ich das erste Mal seit über 15 Jahren wieder ein August-Fest feiern, aber ich kann nicht aus dem Haus, weil mein Hund Angst hat. An dem Ort wird es nicht zu laut sein, aber der Heimweg muss ich einrechnen.
Es bleibt mir also nichts anderes übrig als am Mittag nochmals gross spazieren zu gehen, um 18 Uhr das letzte Pipi zu machen und dann alles zu verschliessen und selber mit TV andere Geräusche zu machen, dem Hund die Möglichkeit zu bieten bei mir nahe unter der Decke zu liegen.

Dass ich etwas gegen die Knallerei habe heisst in keinem Fall, dass ich keine Schweizerin bin, mein Land nicht mag und dessen Geburtstag nicht gerne feiere. Ein Fest, ein Geburtstag wird für mich nur nicht durch ein Feuerwerk definiert.

guter Tag – müde

Heute ist es so weit, zwei Ereignisse, die etwas Nerven kosten stehen an.

Sterilisation. Eine Sache die bei uns Menschen eine riesen Sache ist und man als gesunde Frau kaum gemacht bekommt. Ich würde das gerne haben, da ich weder eine Periode noch Kinder bekommen möchte. Ich könnte mit psychiatrischen Gutachten los gehen, aber auch dann ist es schwer.
Beim Hund, kann man es machen auch wenn sie gesund ist. Genau das machte mir etwas Sorgen. Warum soll ich einen gesunden Hund operieren? Ich wollte das nicht tun. Habe mir aber nach der letzen Läufigkeit massiv Gedanken dazu gemacht. Stella hat sehr nach den Rüden gesucht, geflirtet und sie an sich ran gelassen. Ich hatte sogar einmal Glück, dass nichts passierte.
Der Tierarzt sagte, dass bei dem Verhalten sie weiter nach den Rüden suchen würde und jedes mal wenn sie keinen bekommt leiden wird, dass solche Hunden oft auch eine vereiterte Gebärmutter haben können und dann sie die Operation ein Risiko.
Welpen sind süss, sehr sogar, aber ich möchte keine. Ich bin finanziell nicht so abgesichert, dass ich auch einen Kaiserschnitt oder eine Handaufzucht bezahlen könnte. Geschweige von Impfungen und Chips, die ja alle bei Abgabe vorhanden sein müssen.

Es war also eine Kopfentscheidung hinter der ich auch stehen kann. Es bedeutet weniger Stress für beide.
Ich konnte Stella heute um 9 Uhr bringen und hielt sie so lange im Arm bis sie schlief. Danach wartete ich im nahen Café darauf, dass ich um 10:30 sie abholen kann. Pünktlich war ich wieder in der Praxis und bekam eine schläfrige und noch sehr unsichere Stella zurück. Ganz ungewohnt trug ich sie in der Tasche zum Bus und vom Bus zum Büro.

Ich hatte heute nämlich meinen ersten Arbeitstag. Jeden Mittwoch Nachmittag werde ich als Freelancer arbeiten. Die Firma kenne ich bereits und darf jetzt mehr Aufgaben übernehmen und unterstützen. Ich kann so langsam aufbauen, auswärts arbeiten und trotzdem Geld verdienen. Das ist der Jackpot.
Also habe ich dafür gesorgt, dass Stella nahe bei mir liegen kann und ihr immer wieder Wasser angeboten. Irgendwann hat sie etwas gefressen und ein Pipi gemacht. Ich war erleichtert. Währenddessen habe ich meine neue Aufgabe erklärt bekommen, mir Notizen gemacht und viel gelernt. Ich habe zwar zwischen durch komisch Fragen gestellt oder war etwas verwirrt, aber trotz grosser Anspannung am Morgen und Hitze am Nachmittag war ich mit viel Freude dabei.

Stella und ich sind nun zuhause und entspannen auf dem Sofa. Sie schläft mit dem Kopf auf meinem Bein und mir fallen beinahe die Augen zu.
Ein gelungener Tag. Ich habe mit bravour meine Aufgaben und Herausforderungen gemeistert.

ein Abschied auf Zeit

Ich bin heute sehr sentimental und endlich weiss ich auch warum.

Heute war nach 6 Wochen wieder Therapie. Dies nicht wegen Urlaub oder Krankheit, sondern geplant. Daher gab es einen Rückblick und eine Standortbestimmung.

Es ist viel passiert. Mein Alkoholkonsum sank ohne, dass ich mich anstrengen musste. Klar ich trinke zwischen durch etwas, aber es ist nicht mehr etwas böses. Sicherlich wurde es einfacher als vor 3 Wochen die Bar für immer ihre Türen schloss. Sie hat mir aber an keinem Tag seither gefehlt. Obwohl es manchmal komisch ist, dass abends kein Licht brennt.

An meine letzte depressive Episode kann ich mich nicht mehr erinnern. Auch wenn es mal einen Tag gibt an dem ich etwas wenig Antrieb habe, kann ich meine Tagesstruktur aufrecht erhalten. Tage an denen ich nur im Bett bin gab es schon lange nicht mehr.
Meine Anspannung ist so tief, dass auch mal Stress für mich aushaltbar ist. Und wenn nicht, weiss ich mir zu helfen.
Ich bin jetzt wirklich an einem Punkt den ich als Utopia bezeichnen würde. Eine Beziehung, ein Tag mit 8 Stunden Arbeit, keine soziale Angst oder keine Probleme im Alltag sind kein Thema. Aber ich bin unglaublich zu frieden und glücklich.

Es eröffnen mir berufliche Möglichkeiten. Es gibt Menschen, die an mich glauben und mir neue Aufgaben zu trauen. Klar, etwas Unsicherheit ist dabei, denn ich weiss nicht ob ich es schaffe. Dies ist aber kein Borderline Ding, das ist völlig normal. Das schöne dabei ist, es ist diesen Menschen klar und mir wurde ein Setting offeriert, das liebevoll und fürsorglich ist. Ich freue mich auf die Herausforderung. Und diese Freude ist grösser als meine Angst. Bis jetzt gibt es keine schlaflosen Nächte.
Durch diese Möglichkeiten „muss“ ich nicht ein „sinnloses“ Arbeitstraining machen, bei dem ich die Trennung von Stella auch gleich üben muss. Verdiene etwas Geld und erledige die Arbeiten im Team und am wichtigsten extern. Dieses Glück, das ich habe ist unbeschreiblich. Meine Therapeutin hatte feuchte Augen und sagte, das habe ich mir verdient, weil ich offen über meine Ängste rede, aber auch meine Bedürfnisse und Wünsche äussere.

Als Ende Monat meine Rente nicht ausbezahlt wurde, habe ich dank der Community und meinem Anwalt nicht nur erst selber für mein Geld gekämpft, nein, ich konnte um Hilfe bitten, als ich es selber nicht mehr regeln konnte. Es ist schön zu wissen, dass man nicht immer alles selber muss. Es ist keine Schwäche, auch wenn man das so oft glaubt und das viele vermitteln.
Ich gebe zu, als das Geld nicht kam, war die Anspannung kaum auszuhalten, getrunken habe ich aber nicht.

Ich war am Freitag, am Sonntag und am Montag auf Ausflügen zu 12, 7 und 8 Stunden. Ich habe am Montag und am Dienstag dann in den Nächten zwar 10 Stunden geschlafen, aber ich habe keine grossen Erschöpfungszustände. Ich habe zwar Mühe mit der Konzentration und musste darum die Arbeit heute nochmals weglegen. Die sonst immer erscheinende Grippezustände die keine sind, blieben aus. Toll.
Mit geht es so gut, dass ich an meiner chronischen Erschöpfung arbeiten kann und mal etwas die Grenzen ausloten kann. Wer hätte das noch vor wenigen Monaten gedacht.

Kurz gesagt, wir reden in der Therapie von „einem Abschluss finden“. Der war nicht heute und wird auch nicht in 6 Wochen beim nächsten Termin sein. Aber der wird kommen. Ja, das macht mir Angst. Es macht mich auch traurig. Meine Therapeutin war nun 6 Jahre an meiner Seite. Sie hat alle schlimmen Zeiten seit dann und aus der Vergangenheit mit mir erlebt und stand mir bei. Sie freute sich aber auch mit mir über jeden neuen Schritt.
Die Therapie abschliessen bedeutet aber auch, dass die Borderline soweit geheilt ist. Das bedeutet nicht weg, ausradiert. Es bedeutet, dass ich damit leben kann. Ein gutes Leben. Und ja, es wird nie sein, wie das der meisten. Aber gut. Utopia. So viel Arbeit steckt da dahinter. Es macht mich sehr wehmütig. Aber es erfüllt mich auch mit Stolz und viele Dinge, die ich erreicht habe, hätte ich ohne die Verluste und die dafür gewonnen Freunde und Schwestern nicht erreicht. Und auch Stella gebührt mein Dank! Ohne sie wäre ich nicht aus der Depression gekommen. Ich würde nicht täglich bedingungslos geliebt.

So kam es, dass ich heute auch noch mit der Züchterin von Stella telefonierte. Sie erzählte mir, dass die Frau, der ich Stella (damals noch Tabea) abgekauft habe (zu einem höheren Preis als sie damals den Hund kaufte) der Züchterin erzählte, dass sie mir den Hund nie verkauft hätte, hätte sie gewusst, dass ich psychische Probleme habe. Die Züchterin hat sich schon damals sehr für mich eingesetzt und gesagt, dass es das Beste war, das Stella passieren konnte. Sie sagte auch heute, dass sie unglaublich froh sei, dass Stella bei mir ist. Es musste so kommen, denn sie wollte sie erst gar nicht verkaufen. Sie sehe aber heute, dass wir uns gesucht haben.
Ein schöneres Kompliment kann es gar nicht geben! Sie sagte auch, Stella war schon als Welpe kein Hund zum alleine sein. Sie sei mit 3 Wochen schon so lange am Gitter gestanden und habe gewinselt bis die Züchterin ihr trotz Unfall und Schmerzen sagte, dass alles gut sei und sie beruhigt schlafen könne. Kann ein Hund ein besserer Therapiehund sein als sie? Nein.

Mein Leben ist endlich gut.
Und so fragte ich mich heute, ob ich den Blog noch brauche? Ob ihr den Blog noch braucht? Kommt es auch hier zu einem Ende?
Ist es noch „ein Leben mit Borderline“ wenn die Krankheit, zumindest vorerst, als behandelt gilt?